Eine Geschichte von Engeln und Menschen – Verliebt in einen Menschen

von Victor, KL. 10

Einleitung
Wir schrieben den 21.12. 2119. Die Nacht zog schon ihre Bahnen über die Städte. Darunter auch ein kleines Dorf im Westen Japans. In diesem Dorf stand ein Altenheim, wo gerade Hochkonjunktur war – denn einer der Insassen hatte die finalen Stunden seines Lebens erreicht. Diese Person war Hana. Als sie ihre letzten Stunden verbracht hatte, sagte sie noch mit allerletzter Kraft: “Ich höre eine Stimme. Sie ruft mich, sie erzählt mir von einem Land droben im Himmel, weit über den Wolken hinaus, wo noch sonst keiner war…” Mit ihrem letztem Atemzug war es nun endlich soweit – ihre Augen fielen zu.

Kp.1 – Willkommen im Engelreich
Als sie versuchte, die Augen wieder aufzumachen, fand sie sich in einem Wolkenland wieder. Licht strahlte auf neu blühende Blumen. Sie fragte sich: “Wo bin ich? Bin ich im Himmel?” Sie bemerkte auf einmal ihre Kleidung, die plötzlich weiß wurde. Ihr wuchsen auch auf einmal Flügel. Sie sah sich um. Ein Fluss spiegelte ihr Gesicht wider. Da traf es sie wie der Blitz. Sie war ein Engel geworden! Sie staunte: “Die Engelswelt existiert wirklich! Mir wurde so viel davon erzählt. Meine Lieblingsfolge von meiner Lieblingsserie ging um dieses Thema!”

Zwei andere Engel kamen zu ihr: “Bist du neu hier?” Hana schien ihre Sprache nicht mehr wiederfinden zu können. Mit weit offenem Mund stand sie da. Sie war wie in Trance. “Äääähhhhmmm… j..j.j.jjaaaa”, stotterte sie. Der zweite Engel fragte sie: “Na, wie heißt du denn?” Hana, immer noch am Stottern: “H… Ha… ha. ha…, Hana!” Genau als sie ihren Namen fertig ausgesprochen hatte, schaltete sich der eine Engel wieder ein. “Was für ein Zufall! Bei uns kam vor 99 Jahren auch eine mit dem selben Namen und mir derselben Haarfarbe an.” Hana schluckte. Ihr Mund hat sich jetzt noch weiter geöffnet. “Was?? Das gibt’s ja gar nicht! Warte mal…”, traf es die beiden wie ein Schlag: “Wiederholt sich da gerade etwas? Haben wir gerade ein Deja Vu?”, fragten beide.

Der eine Engel schüttelte sich, um aus dem Staunen wieder raus zu kommen. “Egal! Ich heiße Koyori und das da drüben ist Kanon. Komm, wir führen dich rum und zeigen dir alles, okay?”, fragte der Engel, um das Thema zu wechseln. Hana willigte ein. Während der Führung fragte Koyori: “Weißt du überhaupt, was wir machen?”. Hana vermutete: “Wahrscheinlich schießt ihr solche Pfeile ab, um Liebe auf der Menschenwelt zu verbreiten, nicht wahr?” Kanon nickte einfach nur.  Sie flogen bis tief in die Nacht hinein. Schon bald flogen die drei Engel über ein Dorf, was Hana bekannt vorkam. “Da ist doch das Altenheim, wo ich drin war!”, staunte sie. Neben dem Altenheim war ein von Mutter und Kind betriebener Süßigkeiten- und Backwarenladen, an den sie aus Versehen eine Feder fallen ließ.

Kp.2 – Alles Gute kommt von oben
Währenddessen in diesem Laden machten gerade 
Noa und ihre Tochter Hinata Makronen, als Hinata plötzlich zum Fenster hinaus in den Himmel starrte. Noa versuchte sie wieder zur Arbeit zu bringen: “Hinata, kannst du vom Fenster weggehen und mir jetzt bitte mal helfen, den Zuckerguss aufzutragen?” “Noa, kennst du dieses Gefühl, wenn du jemanden gerne hast, der aber ziemlich weit von dir entfernt ist?”, fragt sie auf einmal. “Jaaa, Hinata, ich kenne dieses Gefühl… und ich kenn’ auch das Gefühl, dass du mir endlich mal wieder helfen solltest, den Laden zu schmeißen, Herrgott nochmal!” erwidert Noa. Hinata kehrte wieder zur Arbeit zurück: “Ist ja gut! Ist ja gut!” Plötzlich sah sie die von Hana fallen gelassene Feder, die sofort von ihr aufgehoben wurde. Sie staunte: “Diese Feder… sie ist wunderschön!”. 

Kp.3 – Dieses Kribbeln im Bauch…
Hoch oben saßen Hana, Koyori und Kanon an einem Fluss. Hana fragte sich: “Die Engel verbreiten ja Liebe mit den Pfeilen, das ist mein Sinn und Zweck, aber kann sich auch Liebe in einem Engel entwickeln?” “Ja natürlich! Dieses Gefühl verbreiten wir!”, erwiderte Koyori, “Du siehst so komisch aus, ist was mit dir?” “Weißt du, seitdem ich über diese Bäckerei geflogen bin, hab ich dieses, mir ziemlich fremde, Gefühl. Mein Herz rast und mein Brustkorb fühlt sich so eng an”, erklärte Hana. Kanon erläuterte: “Enger Brustkorb? Rasendes Herz? Ich glaube, du bist verliebt. Das sind die exakten Anzeichen! Du bist einen mächtig großen Schritt weiter! Respekt!” Hana erinnerte sich an den Flug: “Diese Person gab mir dieses Gefühl: Orange Haare! Sie saß gerade am Fenster und sie kam mir verdächtig bekannt vor. Kann das sein, dass es meine Jugendliebe war?” Kanon antwortete verdutzt: “Woher soll ich das wissen? Ich kenne dein Privatleben nicht. Wir sind zwar mit dem Altenheim assoziiert, aber so tief nun auch wieder nicht!” “Ja ja, okay, verstanden!”, stammelte Hana, “aber eins frage ich mich doch – fühlt sie gerade dasselbe Gefühl wie ich? Ich frage mich, was sie gerade macht”. Hana begann wieder ihre Flügel zu spreizen, als Koyori fragte: “He! wo willst du denn hin?” Hana entgegnete einfach: “Ihr kommt auch mal ohne mich zurecht, oder? Ich bin mal kurz auf der Erde!” Sie flog los.

Kp.4 – Erster Kontakt
Auf der Erde war schon einige Zeit vergangen. Wir schrieben da den 24. 12. 2130. Hinata kam
von einem Waldspaziergang zurück, als sie Hana fliegen sah. Sie wagte sich einen Sturzflug an. Hinata schaute ganz verwirrt: “Hä? Was’n nun los?” Plötzlich schien sie sich wieder zu erinnern. Sie schaute auf – Ja genau! Ein Engel! Vor ein paar Jahren! Die Feder!: “Oh Hallo! Ich bin Hinata. Bist du nicht der Engel, der die Feder fallen ließ?” Hana entgegnete: “Ja! Ich bin Hana. Ich bin den ganzen Weg hier her geflogen, um dich nochmal zu sehen. Und ich muss sagen… Ich liebe dich!” Hinata schaute ganz erstaunt. Sie dachte sich: “Was geht den hier ab? Der Engel liebt mich! Träume ich?” Sie schüttelte sich die Gedanken wieder aus dem Kopf.

Sie überreichte Hana einen Cupcake, wo diese Feder eingraviert wurde, als ihre Mutter zur Tür rausschaute: “Hinata! Was geht hier vor sich?” Hinata klärte auf: “Noa! Ich bin in einen Engel verliebt! Sie heißt Hana!” Noa sprach zu sich selbst: “Hana? Hinata? Engel? Verliebt?? – Komisch, genau so was hab ich 1:1 in einer Serie gesehen.” Hinata schien es aber gehört zu haben: “Aha! also hatte meine Namensgebung einen zweiten Grund?” “Ääähhhh nichts! Komm rein, sonst holst du dir noch eine Erkältung”, stellte Noa sicher. Hinata wimmelte ab: “Jaaaa, gleich!” Sie wendete sich wieder zu Hana: “Das Ding ist: Ich bin ein Mensch, und du ein Engel. Wir können nicht einfach so zusammen sein. Unsere Leben sind nicht parallel zueinander, weißt du? Ich sterbe wahrscheinlich zuerst. Es tut mir leid. So, jetzt muss ich auch wieder rein ins Haus.” Sie schloss die Tür. Hana flog wieder hoch, um von ihrer nicht geglückten Versuch zu erzählen…

Kp.5 – Mission gescheitert
Etwas später im Engelsreich hatten sich Hana
und Kanon bei ihrer Herrscherin Ram versammelt. “Das ist Ram, unsere Herrscherin”, erklärte Kanon. Hana scherzte: “Sie heißen also Ram – na, wo ist denn dann Rem?” Ram entgegnete auch scherzend und über die Frage bescheid zu wissend: “Wer ist Rem?” Beide lachten kurz auf.  Kurz darauf schien sie doch wieder ernst zu wirken: “Was hat euch hier zu mir geführt?” “Königin Ram, das Menschenmädchen, war nicht fähig, Hanas Liebe zu akzeptieren!”, klärte Kanon auf.  Hana fügte hinzu: “Dennoch will ich mir ihr zusammen sein!” Ram donnerte: “Das ist unmöglich! Menschenliebe und Engelsliebe sind zueinander nicht gleichgestellt. Es kann allerdings nur ins Gleichgewicht gebracht werden, wenn man selber zum Menschen wird. Das ist aber zu riskant. Du hast nur eine einmalige Chance. Wenn sie dennoch nicht akzeptiert, dann verschwindest du.” Außerdem verlierst du deine Fähigkeiten als Engel. Ich will es dir auch nicht kaputt machen. Es war ja ein fast geglückter Versu-..” Kanon wollte weiterreden, doch Hana unterbrach: “Schweigt! Ich will jetzt zum Menschen werden! Mir sind die Risiken, die damit kommen, egal. Wenn ich gehe, dann gehe ich aufs Ganze!” Ram, immer noch erstaunt von ihrem Temperament: “OK, wenn das so ist, dann öffne ich hiermit das Tor zur Menschenwelt”. 

Kp.6 – Hana zieht durch!
Jetzt hieß es Augen zu und durch!
Sie schritt durch das Tor, nicht rückblickend auf das, was sie einst war. Sie hatte nur noch eins im Sinn – Hinata! Sie fand sich an der selben Stelle wieder, wo sie vorher auf der Erde war. Sie musste vor Tagesanbruch den Laden erreichen. Sie sprang kurz auf um zu fliegen… wonach sie sich erinnerte – sie kann ja gar nicht mehr fliegen. Sie war ein Mensch. Sie musste den Weg zu Fuß zurücklegen. Sie murmelte zu sich:
“Ich stapfe durch den kalten Schnee, der unter meinen Füßen liegt. Diese Schmerzen, die in meinen Beinen sind… So fühlt es sich also an, wieder ein Mensch zu sein. Aber das ist jetzt alles egal! Ich habe mich selbstständig dazu entschieden, das Engelsreich zu verlassen. Jetzt werd’ ich es auch durchziehen! Ich ziehe mit einem Gefühl der Liebe durch diese Landschaft und hoffe, dass ich mit ihr die Liebesblume aufblühen lassen kann”. Es war der 24. 12. 2190. 

Kp.7 – Eine schockierende Wende
Auf dem Weg stolperte sie. “Oh nein!”, rief sie aus. Jemand schien sie wohl gehört zu haben, denn jemand kam ihr zu Hilfe. “Ist alles in Ordnung? Kann ich dir irgendwie helfen?”, sagte eine, Hana noch unbekannte, Stimme. Sie schaute auf: “Hinata, bist du das?”. Sie antwortete: “Nein, ich bin Mya. Hinata war meine Großmutter. Bist du ihre Freundin?”. Hana schaute ganz verwirrt: “Öööhhhh. Wie? Was? Großmutter?” Sie schüttelte sich wieder die Fragen aus dem Kopf: “Ich bin Hana!” Mya schien das Gesicht nicht mehr so fremd wie vorher. Sie versuchte ihre Erinnerungen zusammenzukratzen: “Hana, also! Warte… dann bist du doch dieser Engel, von den sie mir die ganze Zeit erzählt hat!”. “Sie WAR deine Großmutter? Heißt das also, sie ist…?”, fragte Hana, ihre Verzweifelung ein wenig anmerkend. “Ja, leider. Sie ist gestorben, als ich 9 war. Es war nur eine kurze Zeit, in der ich sie gesehen habe, aber ich hab es genossen!” Jetzt bemerkte Hana es selber – das Haustürschild. “Nee”. Sie bekam einen Geistesblitz – Hinata Nee! Mya Nee! Jetzt machte alles einen Sinn! Sie wusste, die beiden hatten was miteinander zu tun! Sie gingen beide ins Haus. Mya begann wieder zu erzählen: “Sie hat mir immer wieder Geschichten über Engel erzählt”. Sie ging in die Küche: “Warte mal, ich bring uns mal was zu essen!” Hana bedankte sich. Sie sprach mit sich selber: “Was ist denn los? Wie kann das sein? Das ist unmöglich, undenkbar. Ich sollte
mich doch eigentlich auflösen. Hab ich da etwa eine zweite Liebe gefunden?”

Kp.8 – Bis der Tod uns auseinander bringt 
Mya kam wieder zurück… mit dem Feder-Cupcake, den sie vor 60 Jahren mal von ihr bekommen hat. Sie setzte sich gegenüber von Hana an den Tisch. “Weißt du Hana, meine Großmutter hatte mir immer gesagt – wenn sie eine engelsgleiche Person finden würde, würde sie sie sofort haben wollen. Diese wundergleichenden Engelswesen, von denen sie nur in Erzählungen gehört habe, hat sie immer bewundert”, erzählte sie. Hana schien aus ihren Gedanken wieder aufzutauchen, denn sie schaute zu Mya auf und sagte ihr: “Ich habe gerade festgestellt, dass die Liebe in mir stark zugenommen hat und ich möchte dieses Gefühl mit dir teilen.”

“Nun denn!”, willigte Mya ein, während sie gerade den Cupcake in zwei Hälften teilt, “dann übernehmen wir diesen Laden und führen ihn zusammen weiter, bis ans Ende unserer Tage”

Kp.9 – Trautes Heim (oder auch: Wiedervereinigung)
Und so vergingen mehrere Jahrzehnte, bis es auch mit Hana und Mya zu Ende war. “Nun, ich kehre wieder in die Engelswelt zurück und werde dich mitnehmen”, waren Hanas letzte Worte an Mya. Einige Zeit später war sie da wieder angekommen, wo sie vorher war. Sie kam mit den Worten: “Ich bin zurückgekehrt und habe noch jemanden mitgebracht!” Mya trat hervor. Ein Engel hat sie sofort erkannt und stürmte zu ihr: “Mya! Mya!” Es war Hinata! Sie fiel ihr in die Arme. Mya freute sich, ihre Großmutter endlich wiederzusehen: “Hinata! Ich wusste doch, dass es dich noch gibt!” Kurz darauf bemerkte Hinata, das Hana auch wieder da war.

Hana starrte mit sehr großen Augen auf das, was gerade vor ihr abläuft. Sie konnte es immer noch nicht fassen! Alle waren sie wieder vereint! Sie konnte einfach ihre Freude nicht mehr lange bei sich behalten und rief: “Es ist so schön wieder den Rückenwind zu spüren, den ersten Lichtstrahl wieder zu spüren und zu wissen, dass diese Beziehung unsere Welt sanft in ein neues Gewand hüllt!”