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Sie sind hier - Der Koalabär und ich

Ich und der Koalabär – Kapitel 1 von Victor, KL. 9

 

Ding Dong – es klingelt. Ich mache auf und stehe einem Koalabären gegenüber. Ich gucke geradeaus, dann nach rechts, dann nach links und dann wieder auf den Koala. Er sagt: „Hallo“, aber noch bevor er das ganz aussprechen kann, sage ich reflexartig: „Sie sind hier neu eingezogen und wollten einen Kuchen backen? Ja, ich habe Eier, Mehl, eine Schüssel zum Mixen, etwas zum Füllen und der Herd steht hinter der Tür links.“ Der Koala steht nur verdutzt da und schaut mich fragend an. „Sorry, war nur ein Reflex. So ein sprechendes Tier, was von einem ganz anderen Kontinent kommt, sieht man nicht alle Tage, und wenn ich eins sehe, muss ich sofort an ein Buch, was ich mal gelesen habe, denken.“ Darauf antwortet der Koala „Kein Ding, aber die Tatsache, dass ich hier frisch eingezogen bin, stimmt. Darf ich reinkommen?“ Ich willige ein. Er folgt mir hinein ins Wohnzimmer. Wir setzen uns aufs Sofa. Ich frage: „Wann genau sind Sie hier eingezogen?“ „Vor ein paar Tagen. Der Vormieter wurde irgendwie gestürzt von einem Känguru, weiß ich auch nicht mehr, war bei der Wohnungsbesichtigung stockbesoffen. Das war eine schlechte Idee“, sagt der Koala. Ich: „Aha! Der Pinguin!“ Der Koala wundert sich: „Woher wussten Sie das?“

„Niemand kann einen Pinguin so brutal stürzen, vor allem nicht im diesem Haus.“

Der Koala fragt: „Sie wollen wohl wissen, was ich beruflich mache, was?“

Ich sage entschlossen: „Kann ich mir schon denken. Sie sind  Kommunist oder ähnliches, und sie hören wahrscheinlich auch Nirvana.“ „Sie haben eindeutig zu viel „Känguru-Chroniken“ gelesen. Außerdem bin ich kein Kommunist, wie können Sie das sagen? Ich bin Sozialdemokrat und außerdem höre ich nicht Nirvana, sondern AC/DC“, korrigiert er mich. Ich gucke an ihm runter. Er trägt ein rotes Shirt mit der Aufschrift „SPD“. Ich hole für uns beide ein Glas Cola. Beim Holen linse ich einmal in seine Wohnung. Er hat ein Poster von Martin Schulz[1]. „Sie sind ja ein bisschen besessen von der Partei“, sage ich im Zurückgehen. Der Koala ruft mir zu: „Na ja, das täuscht. Ich habe dieses Poster nur wegen meiner Freundin aufgehängt. Die findet ihn attraktiv.“ Ich mache große Augen. Ich stammle: „S-s-sie-Sie meinen doch bestimmt aggressiv, oder?“ „Hör auf! Ich benutze keine Wörter im vertauschten Sinne“, sagt der Koala aufgeschnappt. „Ach, der verdammte Känguru-Reflex“, entschuldige ich mich beim Kängu…ääähh…Koala. Verdammt! Schon wieder! Als ich die zwei Gläser auf den Tisch stelle, fragt mich der Koala: „Wollen wir uns duzen?“ Ich bestätige mit: „Klar.“ „Ich glaube, das mutiert langsam zu einer Freundschaft“.


[1] Martin Schulz ist ein Abgeordneter der SPD

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