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Das Cradle to Cradle Konzept

Eine Anregung für alle Eltern, LehrerInnen und SchülerInnen   von Patrick, einem ehemaligen Schüler der FMS, derzeit Student des Lehramts an Gymnasien in Kassel

 

Viele seit langer Zeit öffentlich diskutierte Neuerungen, wie bspw. Elektroautos, sollen uns einen Weg in eine gesicherte Zukunft weisen. Doch tun sie das an sich wirklich? Die VertreterInnen des Cradle-to-Cradle Konzeptes, allen voran der Lüneburger Professor Michael Braungart, sagen nein, denn es wird etwas außerordentlich Wichtiges übersehen: Alle „neuen, modernen“ Produkte, wie z.B. Energiesparlampen, werden nach dem gleichen Prinzip wie die Alten hergestellt, welches von Braungart als „Cradle-to-Grave“ Ansatz bezeichnet wird, zu Deutsch: von der Wiege zur Bahre.

Alles, was uns umgibt, wird zunächst entwickelt, designed, hergestellt und verkauft. Erst danach wird überlegt, was eigentlich mit den benutzten und verschlissenen Produkten geschehen soll. In Deutschland oft nichts mehr – beispielsweise wird etwa 44 % des Inhalts der gelben Tonnen und Säcke verbrannt (Zahlen aus 2014)[1]. Bei vielen Plastikprodukten können Recyclingfirmen im Nachhinein nicht mehr herausfinden, aus welcher Kunststoffart ein Produkt genau besteht, von ihnen gibt es hunderte, die bekannteste ist wohl Polyethylenterephthalat oder kurz PET (aus dem u.a. Flaschen hergestellt werden). Zwar wird durch die Müllverbrennung meist Strom und Fernwärme erzeugt, doch die verbrannten Materialien sind für immer verloren.

 

Mit dieser Denkweise wollen die VerfechterInnen des „Cradle-to-Cradle“ Konzeptes (von der Wiege zur Wiege) brechen: Bereits während des Entwicklungs- und Designprozesses eines Produkts sollen alle daran Beteiligten überlegen, wie seine einzelnen Bestandteile in Zukunft genutzt werden können. Der Vorteil daran: Es entsteht kein Müll mehr! Alles wird in technischen und biologischen Kreisläufen gehalten.

Einige Firmen setzen dies bereits in der Realität um, so gibt es Cradle-to-Cradle Bürostühle, Gebäude, Teppiche, Druckereien für Bücher, welche von extra gegründeten Zertifizierungsbüros überwacht werden. Der aktuell größte Umsetzer des Konzeptes ist der chinesische Konzern Goodbaby, zu dem auch zahlreiche in Deutschland bekannte Marken für Kleinkindermöbel gehören.

In der heutigen Zeit ist das Konzept insbesondere für die Digitalisierung von großer Relevanz, denn Handys, Laptops und Batterien benötigen seltene Erden, welche nicht umsonst so bezeichnet werden. Aktuell gehen sie beim Recycling von z.B. Handys meistens verloren bzw. können nicht wieder rückgewonnen werden, weil sich die DesignerInnen der Geräte um diesen Aspekt nicht kümmern.

Aber auch im Hinblick auf eine nur halbwegs gerechte globale Wohlstandentwicklung bietet das Konzept die Chance, dass heute noch ärmere Staaten an Wohlstand hinzugewinnen könnten, ohne dass andere an Wohlstand einbüßen. Dadurch, dass unsere Metalle, Polymere, Naturprodukte etc. in Kreisläufen blieben, würde der Anteil der Rohstoffe, die jährlich nach Deutschland eingeführt werden müssen, um das hiesige Entwicklungsniveau zu halten, sinken. Die Nachfrage würde infolgedessen sinken und somit auch der Preis, für andere Staaten bliebe mehr übrig, was sie nun in ihre Kreisläufe einführen könnten.

 

Braungart und sein us-amerikanischer Co-Autor, der Architekt William McDonough, kritisieren in ihrem gemeinsamen Buch: „Intelligente Verschwendung“ aus dem Jahr 2013, in welchem auch das oben beschriebene „Cradle-to-Cradle“ Konzept vorgestellt wird, weiterhin die derzeitige Umwelt-Diskussion. Ziele wie z.B. CO^2-Neutralität seien aus Sicht von Naturwissenschaftlern kompletter Unfug: „CO^2 neutral sind Sie nur, wenn Sie tot sind.“ (Braungart auf dem Entrepreneurship Summit 2016, s.u.). Es müsse nicht um die Reduktion von etwas, wie z.B. Giftstoffen in Bodenbelegen, gehen, also darum, etwas weniger schlecht zu sein, sondern darum, es von vornherein besser zu machen. Gutes Design zeichne sich genau dadurch aus, dass es von Beginn an weiterdenkt als es eigentlich müsste.

In seinen sehr unterhaltsamen öffentlichen Vorträgen bringt Braungart dazu zahlreiche Beispiele: Papierrecycling etwa reduziert den Anteil der zu fällenden Bäume für die Papierherstellung. Doch weil die EntwicklerInnen von Farben an das Recycling nicht gedacht haben, entstehen beim Recyclingprozess giftige Schlämme als Abfallprodukte, was nicht sein müsste, wenn die für die Farben benötigten Stoffe bereits im Vorfeld so ausgewählt würden, dass sie sich auch zur Weiterverwendung eigneten.

 

Das „Cradle-to-Cradle“ Konzept bietet eine positive Vision für die Zukunft von Industriestaaten und solchen, die es werden wollen und könnte letzteren dabei helfen, die Fehler der G20 (z.B. Altlasten durch Umweltverschmutzung) auf ihrem Weg der Entwicklung zu vermeiden.

Interessant für alle BürgerInnen, egal ob Schüler, Studentin oder Rentner, nicht nur für IngenieurInnen und DesignerInnen.

 

Quellen:

Braungart, Michael ; McDonough, William: Intelligente Verschwendung  The upcycle – Auf dem Weg in eine neue Überflussgesellschaft, München, oekom-Verlag 2013

Zeit online: Verbrannt statt wiederverwertet; Stand: 18. Oktober 2016; URL:

https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2016-10/recycling-verbrannt-statt-wiederverwendet

Video: Porf. Michael Braungart: Cradle-to-Cradle Workshop beim Entrepreneurship Summit 2016; Veröffentlicht am: 24.10.2016; URL: https://www.youtube.com/watch?v=yfNinEucsbE

 


[1] Quelle: Zeit online: Verbrannt statt wiederverwertet; Stand: 18. Oktober 2016; URL:

https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2016-10/recycling-verbrannt-statt-wiederverwendet

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