Was ist überhaupt mit mir los?

von Victor, Kl. 9

Ich bin besonders. Ja, ach nee! Jeder ist auf seine Art besonders. Bei mir hat das aber einen Grund. Ich habe nämlich das Asperger-Syndrom. Wie ich damit leben kann? Ich sag’s euch…


Asperger-Syndrom ist eine Variante des Autismus. Es ruft Schwächen in der Kommunikation und stereotypes Verhalten mit eingeschränkten Interessen hervor.

Ich unterscheide mich aber von einem „Klischee“-Asperger, weil diese normalerweise Schwierigkeiten mit körperlicher Nähe haben bzw. es nicht mögen, angefasst zu werden. Hingegen mag ich Körperkontakt und akzeptiere es, wenn man mich berührt.

Sozial bin ich auch mehr aktiv als ein „normaler“ Aspie[1]. Meine soziale Aktivität ist vergleichbar mit dem Aktivitätsbereich einer „normalen“ Person. Ich verstehe im Gegensatz zu Klischee-Aspies Sarkasmus und Witze. Ich habe sogar den Drang witzig zu sein. In jeder Situation versuche ich, irgendwie witzig zu sein. Da ist der Ernst in der Situation mir egal, und deshalb kann ich bei Referaten und mündlichen Vorträgen nicht sachlich bleiben, was im Rahmen von Schule durchaus auch mal ein Problem sein kann.

Ich habe etwas, was ich selbst als „positive Persönlichkeitsstörung“ bezeichne, denn ich bin ziemlich gut im Imitieren von Leuten. Musikalisch als auch stimmlich.

 

Bei Ausrastern habe ich, wie auch bei anderen Aspies, keine „Grauzone“. Wir (Ich spreche jetzt für alle Asperger) gehen von 0 auf 100 in einem rasanten Tempo. Die Ausraster kommen durch „Reizüberflutung[2]“ (was bei mir mit der Zeit etwas abgenommen hat) oder Frust.

Seit Mitte der 8. Klasse bekam ich zu meinen Ausrastern unter anderem ein erhöhtes Affektverhalten dazu. Ich raste immer öfters aus wegen Kleinigkeiten, z.B. wenn ich handschriftliche Arbeiten erledigen soll bzw. wenn ich lieber am PC arbeiten will. Ja gut, bei manchen Lehrkräften verstehe ich deren Forderungen an mich, aber auch weil ich mich daran gewöhnt habe, bei denen handschriftlich schreiben zu müssen.

Für mich fühlt sich Positives manchmal negativ an, z.B. Hilfe wird zu Einschränkung und/oder gar Folter. Oft fühle ich mich auch, als wäre ich in einer Diktatur, bzw. es fühlt sich manches wie eine Diktatur an, z.B. wenn ein Lehrer einen Schüler um etwas bittet, sehe ich das so, als würde der das sofort, „auf Peitschenschlag“ wollen, obwohl ich ja selber weiß, dass das nicht so ist. Darum habe ich hin und wieder resistentes Verhalten, also ich lasse mich nicht, wie ich mir selber sage, „von anderen diktieren“. Ich entwickelte auch eine „Auto-Aggression[3]“ also füge mir selber Schaden hinzu. Das geht von mich zu zerkratzen über mich selber zu schlagen, bis hin zu Andeutungen von Genickbrüchen oder mich zu erwürgen. Mich groß verletzt habe ich mich da bis jetzt aber nicht!

Ab Ende letzten Jahres wurde es mir zu viel. Ich litt darunter (auch immer noch) und ich fragte mich, obwohl ich schon über mein Asperger-Syndrom Bescheid wusste: „Was ist mit mir los?“. Ich habe da zwei Ansichten. Es könnte ein zusätzliches Syndrom sich entwickelt haben oder es liegt an der Pubertät. Es wird jetzt psychologisch besprochen und ich hoffe, dass irgendwann eine Antwort klar wird.

UPDATE 27.5.19: Ich fange an, Tabletten gegen solche Situationen (wie oben beschrieben) zu nehmen. Es wird auch noch ein MRT vom meinem Schädel gemacht

[1] Aspie = Allgemeine Bezeichnung für Leute mit Asperger

[2] Wir empfinden unsere Sinne oder einen davon stärker als normale Menschen. In meinem Fall ist es das Hören.

[3] Das heißt jetzt nicht, dass ich aggressiv gegenüber Autos bin.